T U I  N A

 

Tui Na ist ein uraltes Heilverfahren der traditionellen chinesischen Medizin, so wie die Akupunktur und die Kräuterheilkunde. Die älteste Abhandlung über die chinesische Medizin ist das Nei Ching, der »Klassiker der inneren Medizin des Gelben Kaisers«, der um 2300 v. Chr. geschrieben wurde. Obwohl Tui Na in China seit über 4000 Jahren praktiziert und heute in den Krankenhäusern des ganzen Landes angewandt wird, ist es im Westen noch wenig bekannt. Der Name »Tui Na« stammt aus dem Chinesischen und spielt auf die handfeste Technik an: Tui bedeutet »stoßen«, und na bedeutet »ziehen«. Mit Tui Na werden in China Krankheiten behandelt, für die man im Westen einen Osteopathen, Chiropraktiker, Physiotherapeuten oder Sporttherapeuten benötigt. Es ist wirksamer als all diese Verfahren, weil es nicht nur Muskeln und Gelenke behandelt, sondern auf einer tieferen Ebene auch das Fließen der Lebensenergie fördert. Tui Na übt Druck auf die Meridiane und auf bestimme Punkte aus, um für ein ungehindertes Fließen des Qi durch den Körper zu sorgen. Die Verteilung des Qi im Körper hat einen großen Einfluss auf unser körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden. Nach der chinesischen Medizin werden alle Krankheiten durch ungleichmäßig verteiltes oder blockiertes Qi verursacht. Wenn das Qi ausgewogen ist, fühlen wir uns enspannt, selbstsicher, dynamisch und froh. Wir sind nicht steif, haben keine Schmerzen und»sprühen« vor Energie. Die meisten Menschen kennen dieses Gefühl, erleben es aberselten, weil sie den Gipfel ihrer Energie nicht erreichen.

 

Tui Na in der Praxis

 

Tui Na wirkt ganzheitlich und harmonisiert den Qi-Fluß im Körper, in der Seele und im Geist. Ein ausgebildeter Therapeut stellt Fragen über die Gesundheit und die Lebensweise und beobachtet den Patienten genau, um festzustellen, wo der Qi-Fluß gestört ist. So findet er heraus, welche Meridiane er behandeln muss und an welchen Punkten die Therapie am wirksamsten ist. Die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut und ihr bewusstes Tun sind im Tui Na von grundlegender Bedeutung. Während der Massage sagt der Patient, was ihm gutgut oder Schmerzen bereitet, so dass der Therapeut weiß, an welchen Punkten er welchen Druck ausüben muss. Tui Na gibt auch dem Masseur Energie, weil zwischen ihm und dem Patienten Qi fließt.

Er massiert nicht, wenn er sich müde oder unwohl fühlt, weil diese Interaktion dann nicht möglich ist.

 

 

Shiatsu, eine Variante des Tui Na

 

Vor etwa 1000 Jahren gelangte Tui Na nach Japan, wo man es abwandelte und zum Shiatsu entwickelte. Beide Systeme wollen den Qi-Fluß harmonisieren, aber sie benutzen verschiedene Methoden. Shiatsu übt mit wenigen Griffen langsamen und anhaltenden statischen Druck aus. Für den Beobachter sieht es ruhig und entspannt, mühelos aus. Im Tui Na gibt es dagegen viele kraftvolle Techniken wie Drücken, Stoßen und Kneten.